Soziale Shops mit k(l)einem Umsatz (Daniel Benyes, Wiener Bezirksblatt)

Zwei Geschäfte, Zwei Arten mit Systemfehlern unserer Gesellschaft aufzuräumen: Im Vinzimarkt gibts Lebensmittel für finanziell Benachteiligte. Der Kostnixladen lebt ein alternatives Gesellschaftsmodel.

Arm sind wir schließlich alle, wenn man beginnt, darüber nachzudenken“, sagt Graham Greene in seinem Bestseller „Der dritte Mann.“ Das trifft nicht nur auf den Einzelnen, sondern ergo auf die gesamte Gesellschaft zu. Denn wie sonst, ausser „arm“ ist eine Gesellschaft zu bezeichnen, die als „sozial schwach“ jene Menschen meint, die wenig Geld haben? Die Menschen nicht nach ihren eigentlich sozialen Fähigkeiten, aber nach ihrem Bankkonto beurteilt. Globalisierung, Betriebs- und Arbeitsplatzabsiedelungen führen zu einem immer weiteren Auseinanderklaffen der Einkommensschere. Alleinerziehende, working poor, Zugewanderte leiden besonders an Armut. Frauen stärker als Männer. In Österreich sind rund 460.000 Menschen von Armut und Ausgrenzung betroffen. 313.000 Menschen in Österreich ist das Warmhalten der Wohnung nicht mehr möglich. Ein Viertel der Armutsbevölkerung sind Kinder. Dies in einem der „reichsten“ Länder der Erde. Zwei Projekte, jedes auf seine Weise, bringen Bewegung in den Status quo: Einmal mit konkreter Hilfe (Vinzimarkt), im Fall des Kostnixladen wird ein Gegenmodell zur Klassengesellschaft vorgelebt, das Armut an der Wurzel packt und garnicht erst entstehen lassen würde.

Soforthilfe und Lebensmodell

Während der in der in der Mariahilfer Wallgasse 12 neu eröffnete Vinzimarkt darauf abzielt, Personen mit geringem Einkommen ein breites Angebot an Lebensmittel günstig anzubieten, so versucht das Projekt des Kostnixladens in Margareten (Zentagasse 26) nicht weniger als eine alternative Gesellschaftsform zu vermitteln. Einkaufen mit Geld gibts da nicht, alles wird getauscht oder einfach aus dem Shop mitgenommen. Frei nach dem Motto: „Geben und Nehmen statt Kaufen und Verkaufen!“ Man kommt nicht umhin, die beiden überaus sinnvollen Initiativen insofern zu differenzieren, als dass es im Vinzimarkt darum geht, schnelle Soforthilfe für finanziell Bedürftige anzubieten; der Kostnixladen hingegen wird von allen Einkommensschichten vom Akademiker bis zum Hackler besucht und ist nicht caritativ sondern lebt eine Alternative zur Gewinnmaximierung vor. Fast hat man ein schlechtes Gewissen, ohne Geld „einkaufen“ zu gehen. Vinzimärkte gibts bereits in Favoriten und Graz, Zweigstellen des Kostnixladens in Graz, Innsbruck und am Schöpfwerk. „Es soll nichts weggeschmissen werden“, so Vinzimarkt-Koordinator Michael Bachler. Ein Gedanke, dem man im Kostnixladen in vollen Zügen fröhnen kann. Doch wie überlebt man als Shop ohne Umsatz im ganz normalen Kapitalismus?

Hart im Nehmen, groß im Geben

Im Vinzimarkt werden falsch etikettierte oder leicht beschädigte Nahrungsmittel, die nicht zum Verkauf gelangen, zum Maximalpreis von 30% des Normalwertes verkauft. Qualitativ sind sie jedoch einwandfrei. Einkaufsberechtigt sind alle mit einem Einkommen von unter 800 Euro bzw. 1.150 Euro für Paare. Mittels ausgehändigter „Kundenkarte“ darf man dann um 25 Euro pro Woche einkaufen. Tatsächlicher Warenwert: 80 Euro. Die Waren sind Spenden der Lebensmittelketten. Beim Kostnixladen: „Wir können uns kaum erretten, von den vielen Dingen, die die Menschen uns vorbei bringen“, so Esther vom Kostnixladen. „Wir haben eine hohe Fluktuation an Kleidung und Büchern.“ Neben Computern und CDs. Auch ein Ferrari-Lenkrad war schon im Laden.


Kostnixladen in der Bezirkszeitung

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