Kost Nix! (Stefanie Mayer, Wissenschaftskompass Wien)

Die Idee ist so einfach, dass eigentlich an jeder Ecke einer sein müsste - ein Kost-Nix-Laden. Denn: was dem einen den Platz in Abstellkammer und Kleiderkasten raubt, kann die andere gut gebrauchen.

Von der rein praktischen Seite her gesehen lässt sich das Prinzip des Kost-Nix-Ladens als radikalisierte Form der althergebrachten Tauschzentrale beschreiben. Doch was den Kost-Nix-Laden ausmacht, ist gerade der Unterschied zu Flohmarkt und Tauschbörse: Hier wird weder gekauft noch getauscht - geldlos wechseln Kleider, Küchengeräte und Co die BesitzerInnen. Bis zu drei Teile pro Person können hier an einem Tag gratis mitgenommen werden - eine Regelung die verhindern soll, dass Einzelne sich hier für den Weiterverkauf "eindecken". Abgegeben werden kann einfach alles, was funktionsfähig (und sauber) ist, solange es die räumlichen Möglichkeiten nicht sprengt - allzu Sperriges wird am "Schwarzen Brett" angeboten. Eine ganz simple Sache, also!

Der erste Kost-Nix-Laden (in Deutschland Umsonstladen genannt) wurde 1998 in Hamburg gegründet. Innerhalb weniger Jahren haben sich in Deutschland über 20 weitere Umsonstläden gebildet, die sich regen Zulaufs erfreuen. In Wien sind derartige Initiativen noch ziemlich neu: Seit Februar 2005 existiert der Gratis-Bazar im Schöpfwerk, seit Juni hat der Kost-Nix-Laden, der eigentlich auf eine Realisierung in Wien Neubau hoffte, im Vereinslokal Vekks im 5. Bezirk Raum gefunden. Die ehrenamtlich tätige Crew war allerdings im Sommer und Herbst zusätzlich jeden Samstag mit ihrem mobilen Laden auf öffentlichen Plätzen in ganz Wien anzutreffen - auch hier wanderten Bücher, Kleidung, Spiele usw. ganz ohne Geld und Tausch über den Ladentisch.

Der Kost-Nix-Laden versteht sich als alles andere als ein Sozialhilfeprojekt, auch wenn die geldlose Weitergabe gebrauchter Gegenstände zunächst jener immer größeren Gruppe von Menschen direkt hilft, die schlicht zu wenig Geld zum Leben hat. Hier soll jedoch keine neue Hierarchie zwischen "edlen SpenderInnen" und "bedürftigen EmpfängerInnen" etabliert werden, sondern ganz im Gegenteil ein Ausstieg aus der umfassenden Logik des Be-Wertens geschafft werden. Die InitiatiorInnen des Kost-Nix-Ladens beschäftigten sich unter dem Namen W.E.G. (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung) bereits seit mehreren Jahren mit den (Un)Möglichkeiten selbstorganisierter Alternativen zum kapitalistischen Warensystem und seiner scheinbar so zwingenden Logik. Vom Theoretisieren alleine hält man bei W.E.G. allerdings nicht viel, praktischer Versuch und Irrtum standen und stehen im Vordergrund. Der bestehende Laden mag klein sein - mittel- und langfristig denken die InitiatorInnen schon wesentlich weiter: Ein Netzwerk selbstorganisierter Projekte soll entstehen, das es Menschen erlaubt zunächst ihre Grundbedürfnisse ohne Geld zu befriedigen - zumindest in Sachen Volxküche hat man hier auch schon einiges an Erfahrungen gesammelt - und im Endeffekt auch komplexe Produkte und Dienstleistungen so zur Verfügung zu stellen bzw. zu nützen. Auch wenn die bestehenden Projekte diese Ansprüche noch nicht befriedigen können, zeigen sie doch deutlich, dass Selbstorganisation sinnvoll und machbar ist. Und: internationale Beispiele zeigen vor, dass eine Ökonomie, die auf Solidarität aufgebaut ist, funktionieren kann - egal ob es ums Essen, die Reparatur von Fahrrädern oder Computer geht. So ganz nebenbei fungiert der Kost-Nix-Laden übrigens auch jetzt schon als kommunkativer Treffpunkt - ein Besuch lohnt sich also in jedem Fall!