W.E.G. zum besseren Leben (Arno Uhl, W.E.G.)

Heilsversprechen oder fundierte Konzepte einer alternativen Wirtschaft?

"Alles für alle und das umsonst!" ist das ambitionierte Motto der Gruppe W.E.G. Seit Mai betreiben sie ehrenamtlich einen Kost-Nix-Laden im 4.Bezirk. In ihren Gedanken sind sie jedoch schon wieder viel weiter. Sie wollen eine ganze Ökonomie auf der Basis geldloser Kooperation aufbauen.

Das Leben wird für immer mehr Menschen immer schwerer. Arbeitsverhältnisse werden prekärer, sozialstaatliche Leistungen werden weggekürzt, Arbeitslosigkeit und Armut wachsen. Diese Liste ließe sich ins Endlose erweitern und das, obwohl sich die technischen Mittel und die Infrastruktur eigentlich rapide verbessern. In solchen Zeiten werden politische Gegenstrategien und alternative Gesellschaftskonzepte immer relevanter. Mit einer davon beschäftigt sich die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen, die auch ausführlich im Augustin geführt wird. Einen anderen WEG hat die Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung eingeschlagen.

Die Leute von W.E.G. wollen keine Forderungen mehr an den Staat oder Institutionen stellen, sondern sie versuchen selbstorganisiert alternative ökonomische Projekte und Netzwerke aufzubauen. Dabei orientieren sie sich an solidarökonomischen Konzepten, die im Gegensatz zu Tauschkreisen ganz ohne Geld und Tausch funktionieren. WEG sieht nämlich im Tausch bereits die gleichen Bedingungen, die sie bereits im Kapitalismus für die gravierenden Probleme verantwortlich machen. Susi Q, Gründungsmitglied der Gruppe WEG fasst es zusammen: "Das blinde Wachstum von abstrakten (Geld-)werten wird zur Existenzgrundlage der Menschen und der Gesellschaft. Wer sich nicht verkaufen kann oder nichts zum Tauschen hat, kann und darf nicht überleben. Das zerreisst menschliche Beziehungen und zwingt zur Konkurrenz aller gegen aller."

Kost-Nix-Projekte

Mit dieser Idee setzt die Gruppe WEG nun schon seit bald zwei Jahren verschiedenste Projekte um. Über eine lange Zeitspanne hinweg, fand zweiwöchentlich eine Volx-Küche namens "WEGzehr" statt, für die auch ein eigener biologischer Garten bebaut wurde. Inzwischen wurde das Projekt eingestellt, um ihr wichtigstes Anliegen, einen Kost-Nix-Laden, umzusetzen.

Anfangs haben sie dabei ihre Hoffnungen in die Zusicherungen der Neubauer Bezirksvertretung gesetzt, von der wir schon im Augustin Nr. 150 berichtet haben. "Von der Bezirksvertretung wurden wir aber monatelang für dumm verkauft", meinen die WEGies böse. Zum Glück kamen sie dann im Mai in einem kleinen Zwischenraum des "Vereins zur Erweiterung des künstlerischen und kulturellen Spektrums" (VEKKS) im vierten Bezirk unter und betreiben seitdem einen kleinen Laden. Die Suche nach einem größeren Raum geht aber weiter.

Im Kost-Nix-Laden können Sachen, die nicht mehr gebraucht werden, die aber noch einwandfrei funktionieren, vorbeigebracht werden. Kleidung, Geschirr und Büchern gibt es ohne Ende, aber auch Spiele, elektrische Geräte und vieles mehr hat bisher seinen Weg in den Laden gefunden. Diese Sachen können andere Menschen ohne Gegenleistung abholen. Dabei dürfen in der Regel jedoch nicht mehr als drei Dinge pro Tag mitgenommen werden. Der Kost-Nix-Laden versucht sich dabei ganz gezielt von der Sozialhilfe Idee abzugrenzen. Die klare Trennung in wohltätige SpenderInnen und demütige EmpfängerInnen bzw. von denen Demut erwartet wird, soll durch einen freien Fluss von Geben und Nehmen ersetzt.

Perspektiven

"Vor allem aber wollen wir niemanden wieder für gesellschaftliche Verwertungs- und Arbeitsprozesse zurichten. Im Gegenteil geht es uns darum Menschen davon unabhängiger zu machen indem wir mittel- bis langfristig Projekte aufbauen und Netzwerke knüpfen, die zunächst erst mal die wichtigsten menschlichen Bedürfnisse befriedigen und früher oder später auch moderne Produktions- und Dienstleistungen erfüllen können.", führt Peter K., eine WEG-Aktivist, aus. Er geht davon aus, dass die Gründungen von Selbsthilfe Initiativen außerhalb wirtschaftlicher und staatlicher Strukturen in Zukunft ohnehin massiv zunehmen werden, weil das Überleben innerhalb dieser Strukturen immer schwerer bis unmöglich wird. Damit sich daraus jedoch eine langfristige Perspektive entwickeln kann und nicht nur eine vorübergehende Armutsverwaltung entsteht, hält Peter K. neben der Vernetzung auch die Anwendung solidarökonomischer Prinzipien der geldlosen Kooperation für unerlässlich.

In anderen Ländern gibt es einige Beispiele, dass solche Netzwerke gut funktionieren können. In Amsterdam ist es zum Beispiel möglich jeden Tag zwischen verschiedenen luxuriösen Volx-Küchen zu wählen. Darüber hinaus können sich Leute aus diesen Netzwerken gratis Computer oder Räder reparieren und zusammenbasteln lassen. Aber egal ob aus diesen großen Visionen in Wien etwas wird oder nicht, auf jeden Fall bleibt ein gemütlicher kleiner Laden in dem es gratis Kaffee und interessante Gespräche und Diskussionen geben wird und geldloses Shoppen möglich ist.