Nimm 3 - Zahl Nix (Punkt Magazin)

Geld gegen Leistung - dieses kaufmännische Prinzip wird in einem kleinen Laden in Wien-Margareten außer Kraft gesetzt. Wer hier einkaufen geht, kann sein Geldbörsel getrost zuhause lassen.

„Wenn Leute das erste Mal zu uns kommen, sind sie oft überrascht, dass so etwas überhaupt funktioniert. Doch das Projekt läuft seit fünf Jahren und der Laden ist immer noch voll.“ Clemens deutet auf die Regale, randvoll mit Büchern, CDs und Elektrogeräten. An der Wand lehnt ein Snowboard, im Nebenzimmer hängen T-Shirts, Jacken und Mäntel jeglicher Größe. Preisschilder sucht man allerdings vergebens. Im „Kost-nix-Laden“ in der Zentagasse 26 spielt Geld keine Rolle.

Clemens betreut abwechselnd mit anderen Freiwilligen den Laden. Besucher werden zum Tee oder Kaffee eingeladen. (Foto: T. Hadinger)

Frei nach dem Motto „Geben und Nehmen statt Kaufen und Verkaufen“ kann man hier Sachen mit nach Hause nehmen, ohne dass dafür eine Gegenleistung erwartet wird. Oder Dinge vorbeibringen, die man selbst nicht mehr benötigt. „Solidarisches Wirtschaften“, nennt Clemens das. Der BOKU-Student ist einer der sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter, die hier regelmäßig ihren Dienst versieht.

Kurz nach Ladenöffnung haben sich bereits etliche „Kunden“ eingefunden. „Man muss sich beeilen, denn die guten Sachen sind schnell wieder weg“, meint eine ältere Frau, die auf dem Weg in den Pensionistenklub öfters vorbeikommt. „Ich hab’ Porzellan und Schnapsgläser zuhause, könnt ihr so was brauchen?“, ruft eine andere. „Bringen’s nur alles vorbei“, erwidert Clemens. Auf einem schwarzen Ledersofa haben sich bereits einige Besucher niedergelassen, plaudern und trinken Kaffee. Auch den gibt es hier gratis.

Nicht die allerneueste Mode, aber wer genau sucht, findet schon etwas Passendes. Die beiden Frauen am Bild sind sich einig: "So etwas sollte es öfters geben" (Foto: T. Hadinger)

Das Konzept der so genannten Umsonstläden sei nicht neu und komme ursprünglich aus Deutschland, erklärt Clemens. In der Bundesrepublik gebe es bereits etliche solcher Läden, in Österreich bislang nur drei: Einer weiterer im Gemeindebau Am Schöpfwerk und einer in Linz. Die Betreiber sehen sich oft als Anhänger einer konsumkritischen Bewegung. So auch die Initiative W.E.G. (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung), die hinter dem Kost-nix-Laden steht und für ein geldloses und auf Kooperation basierendes Wirtschaftsmodell eintritt. Doch ganz ohne Geld geht es trotzdem nicht: Zwar werden die Räumlichkeiten von einem Kulturverein kostenlos zur Verfügung gestellt, zur Deckung der Betriebskosten gibt es aber eine kleine Spendenbox. Das Brennholz für den Ofen, der im Winter für ein wenig Wärme sorgt, müsse man eben zukaufen, so Clemens.

Doch die Leute sind spendabel. „20 Bücher und ein paar frisch gebügelte Krawatten“ hat Karl etwa heute mitgebracht. Der hochgewachsene Mann im dunklen Anzug sieht nicht so aus, als ob er auf die Gratis-Sachen angewiesen wäre. Dennoch gehört er zu den zahlreichen Stammkunden des Ladens. „Man darf es eigentlich nicht laut sagen, aber hier gibt es doch noch Schätze zu finden“, raunt er. Für ihn seien das vor allem seltene Geschichtsbücher. Komplette Bände habe er über die Jahre schon gesammelt.

Es soll sich schon die ein oder andere Kostbarkeit unter Büchern gefunden haben. (Foto: T. Hadinger)

Allerdings gibt es auch schwarze Schafe unter den Besuchern. Einige hätten versucht, säckeweise Dinge mitzunehmen, um sie dann auf dem Flohmarkt zu verscherbeln. „Darum haben wir die Drei-Teile-Regel eingeführt“, so Clemens. Und die geht so: Jeder darf am Tag nur drei Dinge mitnehmen. Bei wiederholter Missachtung wird schon mal ein Ladenverbot verhängt. In der Praxis verlasse man sich jedoch auf die Ehrlichkeit der Besucher und das funktioniere ganz gut. So gut sogar, dass man gerade dabei ist, einen zweiten Laden im Achten Bezirk zu errichten. Mit dabei: ein Gratis-Café. Wann das eröffnet wird, hängt allerdings von einigen Faktoren ab: Auf der Homepage wird noch um Baumaterial und unentgeltliche Hilfe bei der Renovierung gebeten.

Kalte Wintertagen machen auch so manchem Freiwilligen zu schaffen. (Foto: T. Hadinger)

Öffnungszeiten Kost-nix-Laden

MO: 15:00 - 20:00
DO: 15:00 - 20:00
FR: 15:00 - 20:00
(außer Feiertage)

Artikel zuletzt aktualisiert 16.03.2010 21:47 | Thomas Hadinger

 


Quelle: http://punkt.kurier.at/?story=227